Werbeinvestitionen im Netz: wo liegt Potential für Lokaljournalismus?

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Es ist soweit – oder zumindest wird es prophezeit: Bis 2017 soll das Web das größte Werbemedium in einem Drittel der Märkte weltweit werden. Diese Entwicklung ist längst überfällig (zumindest in der Schweiz, in anderen Ländern ist es bereits heute der Fall), wenn man davon ausgeht, dass sich Anteil investierter Werbegelder und in ein Medium investierte Aufmerksamkeit der Nutzer ungefähr die Waage halten sollten. Betont wird im Artikel ausserdem der Trend ins Mobile.

Nun kann man sich fragen, ob bzw. wie journalistische Verlage von dieser Entwicklung profitieren werden: Hier wird seit jeher bemängelt, dass digitale Werbeeinnahmen die Abbrüche in Print nicht auszugleichen vermögen. Das Problem ist jedoch, dass das nicht nur damit zu tun hat, dass Werbeinvestitionen (in der Schweiz) bisher (im Vergleich zum Nutzerverhalten) zu konservativ ausgerichtet waren, sondern dass starke Player wie Google oder Facebook einen Grossteil des digitalen Werbeinvestitionskuchens für sich abschneiden. Nun mag der prognostizierte Trend zwar diesen Kuchen vergrössern, was auch dazu führen kann, dass das Stück für den Journalismus grösser wird, doch ist die Konkurrenz an Anbietern von Werbemöglichkeiten im Netz ungleich grösser und härter als im Print. Hinzu kommt, dass im Netz jeder das Potential zum Massenmedium hat – was sich im Trend hin zum Content Marketing bei Unternehmen widerspiegelt.

Auf diesen Trend lässt sich aufspringen, was die Entwicklungen im Bereich Native Advertising zeigen. Aber die Verlage werden noch weitere, alternative Werbemöglichkeiten entwickeln müssen, um an Attraktivität zu gewinnen.

Ich frage mich immer wieder, ob sich aus dem lokalen Markt nicht mehr rausholen liesse. „Lokaljournalismus ist unattraktiv, weil die Reichweite fehlt.“ Aber ist das in Stein gemeisselt? Oder fehlen hier nicht einfach konsequente, qualitative Angebote, entwickelt von Leuten, die ein Händchen dafür haben? Warum hat es beispielsweise einen Verkehrsbetrieb gebraucht, der eine Plattform wie Westnetz lanciert? Habe ich nie verstanden. Und warum wird nicht mehr mit Geolokalisierung und Beacons experimentiert? Ich habe zumindest das Gefühl, dass eine überzeugende Plattform enorme Attraktivität für lokales Gewerbe hätte – und wer ein cleveres Pricing ansetzt, könnte vielleicht in unergründete Jadgreviere vordringen.